Bildlegende: Zurück im Fussball-Business: Maurizio Jacobacci wird auf die Rückrunde hin neuer Trainer beim FC Langenthal. (Bild: NZZ)
Mit dem neuen Trainer Maurizio Jacobacci rückt der FC Langenthal unvermittelt ins nationale Fussball-Rampenlicht. Denn der gebürtige Berner ist in der Schweizer Fussballszene eine bekannte und namhafte Persönlichkeit. «Der FC Langenthal und sein Team haben Potenzial für einen nächsten Entwicklungsschritt», begründet der 61-jährige Italiener sein Engagement beim FCL.
Die Nachricht hat zweifellos viele Fussballfans überrascht und zum Staunen gebracht, als der FC Langenthal (1. Liga Classic) bekanntgab, dass Maurizio Jacobacci auf die Rückrunde hin als Trainer das Team übernehmen wird, nachdem der bisherige Coach João Paiva den Klub überraschend verlassen hat, weil er bei den Grasshoppers vollamtlicher Trainer der Damen-Equipe wird. Mit Jacobacci rückt der FC Langenthal schlagartig ins nationale Rampenlicht, denn der 61-jährige Italiener, der in Bern geboren und aufgewachsen ist, zählt zu den namhaftesten und bekanntesten Gesichtern im Schweizer Fussball.
Zwischen 1979 und 1994 bestritt er für BSC Young Boys, Vevey Sports, Xamax Neuenburg, AC Bellinzona, FC Wettingen, Servette Genf, St. Gallen und Lausanne Sports insgesamt 315 Partien in der Schweizer Nationalliga A und erzielte dabei 80 Tore. 1986/87 wurde er mit Xamax sogar Schweizermeister. Auch als Trainer hat Jacobacci eine beachtliche Karriere absolviert und war dabei bei namhaften Vereinen engagiert (unter anderem GC, Sion, Lugano, Schaffhausen, Vaduz, Wil). Zuletzt war Maurizio Jacobacci bis Herbst 2023 in der dritten Deutschen Liga beim TSV 1860 München als Trainer tätig.
Klub und Team haben Potenzial
Seither sei er zurück in der Schweiz, erwähnt Jacobacci auf Anfrage und fügt hinzu: «Ich wollte unbedingt wieder auf dem Platz stehen, meiner Leidenschaft nachgehen und mit Spielern arbeiten.» Deshalb sei die Anfrage des FC Langenthal wie gerufen gekommen, erzählt er. Natürlich sei für ihn, der in Bern aufwuchs und bei YB spielte, der FC Langenthal ein Begriff gewesen. «Zudem habe ich mich über den Klub erkundigt und die Mannschaft beobachtet», gibt er zu verstehen. Was er sah, hat ihn überzeugt, wie er bestätigt: «Ja, der Klub und die Mannschaft haben Potenzial für einen nächsten Entwicklungsschritt.»
Was ihn besonders beeindruckt hat, sind die Personen im Umfeld des Klubs. «Hier hat es Macher an der Spitze, mit dem sportlichen Leiter Goran Ivelj, den ich von meiner Zeit als Trainer in Wil kenne, als er hier spielte, oder Stephan Anliker, der sich im Klub leidenschaftlich engagiert und den ich bei den Grasshoppers kennenlernte.» Solche Leute seien enorm wichtig, wenn man einen Verein weiterbringen wolle. Der neue FCL-Trainer ist deshalb überzeugt, dass sich der Klub in die richtige Richtung bewegt. Dazu möchte er in den nächsten Monaten seinen Beitrag leisten.
Längerfristiges Engagement möglich
Im Team befänden sich viele junge, talentierte Spieler, die einen Schritt vorwärts machen wollten, hat Jacobacci festgestellt. Auch habe er bei seinen Beobachtungen gesehen, dass hier mit sehr viel Disziplin und Seriosität gearbeitet werde. Maurizio Jacobacci bezeichnet dies als ideale Grundlage für eine weitere, positive Entwicklung, denn er komme mit einer Vision und Zielen nach Langenthal. Gleichzeitig macht der bekannte Fussballfachmann klar, dass er alleine nichts ausrichten könne. «Der Wille, einen Schritt nach vorne zu machen, muss von allen vorhanden sein, Spieler, Staff und Funktionäre», weist er darauf hin, dass man nur als geschlossene Einheit den angestrebten Erfolg realisieren kann.
Das Engagement von Maurizio Jacobacci ist vorerst bis Ende Saison befristet. Da fragt man sich natürlich, wie nachhaltig dieser Trainer-Entscheid ist, wenn man befürchten muss, dass der Coach bei einem Angebot aus der Challenge oder Super League sofort wieder weg ist. Jacobacci beschwichtigt und dämpft diese Befürchtungen. «Aktuell mache ich mir absolut keine Gedanken über meine Zukunft und über allfällige Engagements in einer höheren Liga. Vielmehr bin ich gespannt, wie sich meine Reise mit dem FC Langenthal entwickelt. Wenn diese so richtig ins Rollen kommt, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich hier für mich eine neue, längerfristige Perspektive eröffnet.»
Zum Schluss bleibt dann noch die Frage, wie sich der Wechsel anfühlt, von der letzten Trainerstation bei 1860 München, in der dritten deutschen Liga, auf die Rankmatte in Langenthal. Maurizio Jacobacci lacht und sagt, dass man dies gar nicht vergleichen könne. «In München waren jeden Tag beim Training sechs Tageszeitungen anwesend und das Stadion an der Grünwalder Strasse war bei jedem Heimspiel mit 15 000 Zuschauern voll. Aber, die Arbeit mit den Spielern und die Leidenschaft für den Beruf als Fussballtrainer sind genau gleich, nur dass ich in München tagsüber trainierte und beim FC Langenthal am Abend meiner Arbeit nachgehe.» (textwerk/war)